Vernetzung als Schlüssel für die Proteinwende
Technische Lösungen entstehen im Labor, echte Wirkung im Netzwerk. Mit dieser zentralen Erkenntnis kehrt das PIONEER-Netzwerk vom DIL Technology Day 2026 in Quakenbrück zurück, einer Branchenveranstaltung rund um alternative Proteine, Fermentationstechnologie und Food-Innovation. Als vom BMLEH beauftragte Vernetzungs- und Transferplattform für alternative Proteinquellen in der Humanernährung war die Teilnahme Pflichttermin und Bestätigung zugleich: Der systemische Vernetzungsgedanke, den PIONEER seit seiner Gründung verfolgt, steht im Zentrum der aktuellen Branchendiskussion.
Die übergreifende Botschaft aus Quakenbrück war eindeutig: Die drängendsten Herausforderungen auf dem Weg zur Skalierung alternativer Proteine sind nicht technologischer, sondern systemischer Natur. Wer neue Wege gehen und skalieren will, braucht die richtigen Partner. Sie müssen über Erfahrung, Kapazität und den Willen zur gemeinsamen Entwicklung verfügen. „Genau hier setzt PIONEER an: als aktive Brücke zwischen Wissenschaft, Technologie und Markt, die Akteure entlang der gesamten Wertschöpfungskette zusammenbringt“, so Marvin Anker, PIONEER-Projektkoordinator und Projektleiter im Fachzentrum Landwirtschaft und Lebensmittel der DLG.
Er war in Quakenbrück in mehreren Rollen aktiv: Er vertrat das PIONEER-Netzwerk gemeinsam mit Inka Alten, HAW Hamburg, am Netzwerkstand, war als Panelist im DIL Innovation Hub vertreten und wirkte als Jurymitglied sowohl bei den Start-up Pitches als auch beim Poster-Wettbewerb mit.
Darüber hinaus zeigte die Veranstaltung zwei weitere systemische Handlungsfelder auf: Die aktuelle Förderlandschaft ist für industrielle Kooperationen oft zu langsam und zu wenig planbar. „Mehr Verlässlichkeit ist dringend gefragt und für die Nutzung von Nebenströmen im Food-Bereich fehlt bislang eine zentrale Anlaufstelle. Das PIONEER-Netzwerk unterstützt, indem es Wissen aus Projekten zur Nutzung von Nebenströmen bündelt und Partner zusammenbringt“, so der PIONEER-Projektkoordinator
Fermentation im Fokus – und im Herzen von PIONEER
Fermentationstechnologie war eines der meistdiskutierten Themen in Quakenbrück. „Und das ist kein Zufall“, so Anker. Denn Fermentation zählt zu den Kerntechnologien, mit denen sich zahlreiche vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) geförderten Projekte im PIONEER-Netzwerk aktiv befassen. Ob zur Verbesserung der Proteinqualität, zur Reduktion von Antinutritiva oder zur Entwicklung neuartiger funktioneller Zutaten, Fermentation bietet ein breites Spektrum an Anwendungsmöglichkeiten, das Forschungsprojekte aus dem PIONEER-Netzwerk bereits heute versuchen in die Praxis umzusetzen.
Die Erkenntnisse aus Quakenbrück schärfen den Blick für das, was als nächstes gebraucht wird: Gute Wissenschaft allein reicht nicht. Für die Skalierung braucht es strategische Partner und unternehmerisches Know-how – von Anfang an, nicht erst am Ende der Forschungsphase. Besonders vielversprechend ist dabei die Technologie-Hybridisierung: Die Kombination von Fermentation und Pulsed Electric Fields (PEF) zur Proteinisolierung zeigt, wie hybride Prozesse Produkte ermöglichen, die sowohl clean als auch prozesssicher sind. Ansätze, die für PIONEER-Projekte unmittelbar relevant sind und den Transferauftrag des Netzwerks unterstreichen.
Skalierung und Nachhaltigkeit: Vom Pilotprojekt in den Markt
Der Weg vom Pilotprojekt zum skalierbaren Marktprodukt bleibt die anspruchsvollste Etappe, das bestätigten auch die Start-up Pitches, bei denen Marvin Anker als Jurymitglied mitwirkte. Teams wie Ferment IQ, KULT FARM, IN YOUR FACE FOODS und FRYBOTICS zeigen, dass schnelle Skalierung möglich ist, wenn Technologie, Kapital und Partnerschaften zusammenkommen. Für PIONEER bedeutet das: Das Netzwerk muss genau diese Verbindungen aktiv fördern und den Transfer von der Forschung in marktfähige Lösungen beschleunigen.
Gleichzeitig ist Nachhaltigkeit kein Add-on mehr, sondern fließt direkt in Kalkulation und Produktentwicklung ein. Das Prinzip der Kreislaufwirtschaft, einschließlich der konsequenten Nutzung von Nebenströmen für den Food-Sektor, ist in der Branche angekommen. PIONEER will diesen Prozess aktiv mitgestalten und als Anlaufstelle für entsprechende Ideen und Kooperationen fungieren.
Fazit: PIONEER als Netzwerk der nächsten Schritte
Der DIL Technology Day 2026 hat gezeigt: Die Technologie für die Proteinwende ist weitgehend vorhanden. Was jetzt zählt, ist die konsequente Vernetzung der richtigen Akteure, über Disziplinen, Sektoren und Wertschöpfungsstufen hinweg. Das PIONEER-Netzwerk versteht sich als genau diesen Ort: wo Forschung auf Anwendung trifft, wo Ideen zu Produkten werden und wo die Branche gemeinsam die nächsten Schritte geht.
Über PIONEER
Für die Durchführung der Vernetzungs- und Transfermaßnahme „PIONEER“ wurde die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG e.V.), die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAWH) und die Food-Processing Initiative e.V. (FPI) durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) beauftragt. Die Finanzierung erfolgt durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH).
Ansprechpartner
Marvin Anker: +49 (0)69 24788-333 , pioneer(at)dlg.org