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Zukunft der Milchwirtschaft

Wie kann die Zukunft der Milchwirtschaft zwischen Innovation, technologischer Machbarkeit und Marktanforderungen gelingen? Dieser Frage widmete sich die 7. Internationale Konferenz „Pflanzliche & zellbasierte Alternativen für die Milchwirtschaft“ der MUVA Kempten GmbH. Das PIONEER-Netzwerk war dort mit drei Fachvorträgen vertreten und brachte seine vielfältigen Perspektiven in die Diskussion mit Vertreterinnen und Vertretern aus Molkereiwirtschaft, Wissenschaft, Zulieferindustrie und Entwicklung ein. Wichtige Impulse aus dem PIONEER-Netzwerk lieferten Alina Kloka (Hochschule Anhalt, Köthen), die mit funHapro ein innovatives Vorhaben rund um Haferproteinkonzentrate vorstellte, sowie Dr. Maria Scharfe (Formo Foods, Berlin), die Einblicke in REALKAE und die Präzisionsfermentation als technologischen Ansatz für die Milchwirtschaft von morgen gab. Die Projekte funHapro und REALKAE werden im Rahmen des Programms zur Innovationsförderung des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) gefördert und sind Teil des PIONEER-Netzwerks. Marvin Anker, Projektkoordinator des PIONEER-Netzwerks, machte deutlich, wie eng die Zukunft der Milchwirtschaft inzwischen mit interdisziplinärer Zusammenarbeit verknüpft ist.

Akteure entlang der Wertschöpfungskette zusammenzuführen und den Wissenstransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft aktiv zu fördern, ist der Ansatz des PIONEER-Netzwerks, das machte Projektkoordinator Marvin Anker in seiner Keynote „Pflanzliche Proteinquellen und Milchwirtschaft im Wandel – Wie das PIONEER-Netzwerk Innovationen verbindet“ deutlich. Im Zentrum seines Vortrags stand die Frage, wie sich Forschung, Praxis und Marktakteure gezielt miteinander vernetzen lassen, um Innovationen schneller in die Anwendung zu bringen. Entscheidend sind seinen Worten zufolge dafür der frühzeitige Dialog, belastbare Kooperationen und Strukturen, die neue Erkenntnisse zügig in die Praxis überführen. 

FunHapro: Funktionalisierung von Haferproteinkonzentraten

Ein weiterer fachlicher Impuls kam aus dem Innovationsprojekt funHapro. Alina Kloka von der Hochschule Anhalt in Köthen stellte vor, wie sich Haferproteinkonzentrate durch Hochintensiv-Ultraschall und enzymatische Behandlung funktionalisieren lassen. Die präsentierten Ergebnisse sind vielversprechend und verdeutlichten das Potenzial dieses Ansatzes für die Entwicklung pflanzenbasierter Anwendungen. Sie machten aber auch deutlich, dass in der Prozessentwicklung weiterhin zentrale Fragestellungen zu bearbeiten sind. „Die Herausforderung besteht darin, dass sich pflanzliche Proteine häufig nur schlecht lösen. Kommerzielle Haferproteinkonzentrate erreichen im neutralen pH-Bereich oft nur sehr geringe Löslichkeiten. Deshalb gibt es bislang nur wenige Produkte auf Basis von Haferprotein, die sich gut anrühren lassen und gleichzeitig eine stabile Suspension bilden“, so die Referentin. Genau hier setzt funHapro an. „Wir erforschen, wie sich funktionelle Proteinzutaten aus Hafer herstellen lassen. Durch die Kombination von Hochintensiv-Ultraschall und enzymatischer Behandlung ist es uns gelungen, die komplexe Mikrostruktur des Hafermehls gezielt aufzubrechen. Die Herausforderung besteht darin, dass die Proteine nicht frei vorliegen, sondern teilweise in einer Matrix aus Stärke und Zellwandpolysacchariden eingebettet sind.“

REALKAE: Präzisionsfermentation als Zukunftstechnologie

Mit Blick auf biotechnologische Entwicklungen stellte Dr. Maria Scharfe von Formo Foods erste Ergebnisse des Innovationsprojekts REALKAE vor. Sie beleuchtete die Präzisionsfermentation als möglichen Baustein der Milchwirtschaft und ordnete den aktuellen Stand hinsichtlich technologischer Reife, wirtschaftlicher Tragfähigkeit und praktischer Herausforderungen bei der Markteinführung ein. Die Referentin machte deutlich, dass die Präzisionsfermentation eine Antwort auf ein Mengenproblem sein kann, das die Milchwirtschaft alleine künftig nicht lösen kann, denn die globale Nachfrage nach Molkereiprodukten wächst bis 2050 um 49 %.“ 

Ziel des Projekts ist die Entwicklung genussreifer gereifter Käsealternativen. Die konventionelle Käseherstellung basiert auf komplexen Reifungsprozessen, die bislang nicht auf tierfreie Alternativen übertragbar waren. Durch biotechnologische Innovationen wie Präzisionsfermentation und den Einsatz spezifischer Reifungskulturen sollen laut Dr. Scharfe funktionale, sensorisch hochwertige Käsealternativen entstehen. „Dabei sind signifikante Einsparungen bei CO₂-Emissionen, Wasser- und Landnutzung möglich.“ Das Projekt strebt grundlegende Erkenntnisse zur Reifung alternativer Käseprodukte an, um deren Marktfähigkeit und Verbraucherakzeptanz zu sichern.

Die Konferenz in Kempten unterstrich, dass sich die Milchwirtschaft zunehmend in einem offenen Innovationssystem bewegt. Pflanzliche Proteine und Präzisionsfermentation sind dabei nicht allein als alternative Konzepte zu verstehen, sondern als Teil einer breiteren Antwort auf zentrale Zukunftsfragen der Branche. „Der intensive persönliche Austausch mit Fachleuten aus Produktion, Produktentwicklung und Wissenschaft zeigte zudem, dass das Interesse an belastbaren Kooperationen und gemeinsamer Weiterentwicklung groß ist“, so Projektkoordinator Marvin Anker abschließend.

Über PIONEER

Für die Durchführung der Vernetzungs- und Transfermaßnahme „PIONEER“ wurde die Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG e.V.), die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg (HAWH) und die Food-Processing Initiative e.V. (FPI) durch die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) beauftragt. Die Finanzierung erfolgt durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH).